Die Grundlagen der Nachlassplanung verstehen

Die Nachlassplanung ist ein wesentlicher Schritt, um die eigenen Vermögenswerte über das Leben hinaus zu sichern und das Fortbestehen der persönlichen Wünsche zu gewährleisten. In Deutschland umfasst die Nachlassplanung eine umfassende rechtliche, finanzielle und familiäre Auseinandersetzung mit der Frage, was nach dem Tod mit Vermögen, Immobilien und Verpflichtungen geschieht. Wer sich frühzeitig mit diesem Thema beschäftigt, kann Streitigkeiten unter den Erben vermeiden, für Steuervorteile sorgen und die Versorgung der Angehörigen sicherstellen.

Das Testament als zentrales Instrument

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Form und Gestaltung eines Testaments

In Deutschland kann ein Testament entweder handschriftlich oder notariell aufgesetzt werden. Handschriftliche Testamente müssen eigenhändig geschrieben und unterschrieben sein, um Gültigkeit zu erlangen. Wer komplexe Sachverhalte klären möchte, sollte ein notarielles Testament wählen: Hier prüft der Notar die Form und berät über mögliche Fallstricke, was vor allem bei Immobilien oder Unternehmensanteilen wichtig ist.
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Zielgerichtete Nachfolgegestaltung

Mit einem Testament lassen sich verschiedenste Anforderungen und Wünsche regeln: Sie können einzelne Gegenstände oder Beträge bestimmten Personen zuweisen oder Ersatzerben festlegen, falls der eigentliche Erbe bereits verstorben ist. Besonders in Patchwork-Familien oder bei minderjährigen Kindern ist eine klare Regelung entscheidend, um allen Beteiligten gerecht zu werden und spätere Auseinandersetzungen zu vermeiden.
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Risiken eines fehlenden Testaments

Wird kein Testament erstellt, tritt automatisch die gesetzliche Erbfolge in Kraft. Diese sieht feste Quoten für Ehegatten, Kinder oder andere Verwandte vor. Oft entspricht diese Regelung aber nicht den persönlichen Wünschen oder der Familiensituation. Insbesondere für unverheiratete Paare, Patchwork-Familien oder kinderlose Paare empfiehlt sich daher ein Testament, um unerwünschte Verteilungen zu verhindern.

Ordnung der Erben

Die gesetzliche Erbfolge unterscheidet zwischen verschiedenen Ordnungen: Zunächst erben die Kinder und der Ehepartner, danach folgen Eltern, Geschwister und weitere Verwandte. Innerhalb einer Ordnung schließen die näheren Verwandten die entfernteren aus. Die Regelung stellt sicher, dass das Vermögen möglichst in der Familie bleibt, deckt aber nicht immer individuelle Wünsche ab.

Ehegatten und eingetragene Partner

Ehegatten haben in der gesetzlichen Erbfolge einen besonderen Status: Sie sind immer miterbberechtigt, wobei ihr Anteil von Güterstand und Zahl der Kinder abhängt. Für eingetragene Lebenspartnerschaften gelten ähnliche Rechte. Wer außerhalb einer Ehe oder Partnerschaft lebt, muss allerdings aktiv vorsorgen, da der Partner sonst leer ausgehen kann.

Auswirkungen auf Patchwork-Familien

In modernen Patchwork-Familien führt die gesetzliche Erbfolge häufig zu Komplikationen. Stiefkinder werden beispielsweise nicht als gesetzliche Erben berücksichtigt. Auch die Aufteilung zwischen mehreren Kindern aus verschiedenen Beziehungen kann komplex sein. Hier hilft nur eine durchdachte Nachlassplanung, um individuelle Vorstellungen rechtssicher umzusetzen.

Der Pflichtteil: Schutz gesetzlicher Erben

Pflichtteilsberechtigt sind grundsätzlich die Kinder, der Ehegatte oder eingetragene Lebenspartner sowie, falls keine Nachkommen vorhanden sind, die Eltern des Verstorbenen. Andere Verwandte wie Geschwister oder weiter entfernte Verwandte zählen nicht dazu. Es ist daher oft nicht möglich, diese nahen Angehörigen komplett vom Nachlass auszuschließen.

Nachlassplanung für Unternehmer

Sicherung des Fortbestands des Unternehmens

Ein plötzlicher Todesfall ohne Nachfolgeplanung kann für Betriebe existenzbedrohend sein. Daher ist es wichtig, früh eine stabile Nachfolgeregelung zu etablieren – entweder durch Erben innerhalb der Familie oder externe Nachfolger. Die Übergabe sollte Schritt für Schritt erfolgen, um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten und das Unternehmen zu erhalten.

Steuerliche Aspekte der Unternehmensnachfolge

Die steuerliche Behandlung von Betriebsvermögen unterscheidet sich von der privater Vermögenswerte. Durch geschickte Planung können erhebliche Steuerersparnisse erzielt werden, etwa durch Nutzung von Verschonungsregeln bei Unternehmensübertragungen. Fehlende Planung kann jedoch zu hohen Steuerforderungen und sogar zur Zerschlagung des Familienunternehmens führen.

Rechtliche Besonderheiten bei Gesellschaften

Wer Anteile an einer Kapital- oder Personengesellschaft besitzt, muss Gesellschaftsverträge und erbrechtliche Regelungen genau aufeinander abstimmen. Nur so ist sichergestellt, dass die Nachfolge im Sinne des Unternehmers geregelt werden kann. Es empfiehlt sich die enge Zusammenarbeit mit Notaren und Steuerberatern, um Risiken auszuschließen.

Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung

Bedeutung der Vorsorgevollmacht

Mit einer Vorsorgevollmacht bestimmen Sie eine oder mehrere Personen, die in Ihrem Namen rechtsverbindliche Entscheidungen treffen dürfen, falls Sie selber dazu nicht mehr in der Lage sind. Das betrifft sowohl finanzielle als auch persönliche Belange. Ohne Vorsorgevollmacht müsste ein Gericht einen Betreuer bestellen—das kostet Zeit und entspricht oft nicht den eigenen Vorstellungen.

Handlungsfähigkeit durch die Patientenverfügung

Die Patientenverfügung regelt, welche medizinischen Maßnahmen im Ernstfall unternommen oder unterlassen werden sollen. Damit behalten Sie die Kontrolle über Ihre medizinische Versorgung, selbst wenn Sie selbst nicht mehr entscheidungsfähig sind. Sie entlastet Angehörige und Ärzte, weil bereits feststeht, welche Behandlungen gewünscht oder abgelehnt werden.

Zusammenwirken der Instrumente

Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung sollten aufeinander abgestimmt sein, damit im Ernstfall keine Widersprüche entstehen. Beide Dokumente sind wichtiger Bestandteil einer umfassenden Nachlass- und Vorsorgeplanung. Am besten werden die Wünsche gemeinsam mit einem Notar oder Fachanwalt klar formuliert und sicher verwahrt.
Das deutsche Erbschaftsteuerrecht sieht für Ehepartner, Kinder und andere Verwandte verschiedene Steuerklassen und Freibeträge vor. Ehepartner profitieren von einem hohen Freibetrag, während entferntere Verwandte und Nichtverwandte deutlich mehr Steuern zahlen müssen. Die Wahl der Strategie bei der Nachlassgestaltung kann erhebliche Auswirkungen auf die Steuerlast haben.

Erbschaftssteuer und steuerliche Aspekte